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Ist der Zeitpunkt gekommen, um in Anleihen zu investieren?

27 days ago

Niall McDonnell, Senior Investment Manager

Niall McDonnell,
Senior Investment Manager, Architas

Ist der Zeitpunkt gekommen, um in Anleihen zu investieren?

Für Anleiheanleger waren die letzten Jahre eine harte Zeit. 2022 war für Inhaber festverzinslicher Wertpapiere das zweite Jahr in Folge mit negativen Renditen. Doch der lang anhaltende Ausverkauf könnte bedeuten, dass Anleihen nun wieder interessant werden. Sie könnten sogar bereit sein, wieder ihre traditionelle Doppelrolle – für Ertrag und Diversifizierung zu sorgen – zu spielen. Ist es an der Zeit, sich wieder mit Anleihen zu beschäftigen?

Die Zentralbanken haben verschlafen

Gegen Ende 2021 begann die Inflation, allmählich zu steigen. Als sich die Weltwirtschaft von der Pandemie erholte, fingen die Verbraucher an, das Geld auszugeben, das sie während der Lockdowns gehortet hatten. Mit der wachsenden Nachfrage stiegen auch die Preise, teilweise aufgrund von Lieferkettenstörungen und Arbeitskräftemangel. Die Zentralbanken räumten seinerzeit diesen Preisdruck ein, erklärten aber, sie gingen davon aus, dass die Auswirkungen nur vorübergehend seien. 

Der Einmarsch Russlands in die Ukraine Anfang 2022 änderte das Bild und goss Öl ins Feuer der Inflation, indem er den größten Rohstoffpreisschock seit den 1970er Jahren auslöste. Die Inflation schoss in die Höhe, doch die Zentralbanken reagierten nur langsam und zögerten mit Zinserhöhungen, solange der wirtschaftliche Ausblick so unsicher war. Während das Vereinigte Königreich als erstes G7-Land im Dezember 2021 die Zinsen anhob, dauerte es weitere drei Monate, bis die US-Notenbank (Fed) mit einer Straffung der Geldpolitik begann, und die Europäische Zentralbank wartete bis Juli 2022, bevor sie handelte. Aber als die Zinserhöhungen begannen, wurden diese sehr schnell vorgenommen, da die Zentralbanken versuchten, ‚der Kurve voraus zu sein’ und die künftigen Inflationserwartungen zu dämpfen.

Das Ende einer Ära

Die Anleihekurse mussten sich an das Ende der extrem niedrigen Kreditkosten anpassen, was bedeutete, dass negative Anleiherenditen auf lange Sicht wahrscheinlich nicht haltbar waren. Es war jedoch die Geschwindigkeit der Zinserhöhungen, die die Anleger überrumpelte. In den USA erhöhte die Fed die Zinssätze zwischen März und November um 375 Basispunkte, was diesen Zinserhöhungszyklus zu einem der aggressivsten aller Zeiten machte. Die Kurse der Anleihen fielen, da ihre Renditen aufgrund der steigenden Zinserwartungen stiegen.

Nicht nur an den Rentenmärkten erfolgte ein Ausverkauf. Auch die Aktienmärkte waren durch die Geschwindigkeit, mit der die Kreditkosten stiegen, verunsichert. Dies gilt insbesondere für wachstumsorientierte Unternehmen, von denen viele bisher nur in einer Ära extrem niedriger Zinssätze tätig waren. Sie müssen sich nun auf ein Geschäftsmodell einstellen, bei dem der Wert ihrer künftigen Erträge durch höhere Zinsen untergraben wird. Dieser gleichzeitige Rückgang der Anleihe- und Aktienkurse ist ungewöhnlich, da in der Regel eine negative Korrelation zwischen den beiden Anlageklassen besteht – die eine steigt also, wenn die andere fällt.

Zeit für Anleihen, zu glänzen?

Der steile Ausverkauf bei Anleihen im Jahr 2022 betraf quasi unterschiedslos alle Sektoren und Qualitätskategorien. Dies könnte eine einmalige Gelegenheit sein, in Vermögenswerte mit interessanten Bewertungen und starken Fundamentaldaten zu investieren. In den USA erreichte die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe Mitte Oktober einen Höchststand von mehr als 4,2 %. Das entspricht einem Anstieg um rund 325 Basispunkte gegenüber den Renditen zu Beginn des Jahres 2021 und ist der höchste Stand seit 2007. Auch die Kreditmärkte wurden stark in Mitleidenschaft gezogen, da die Renditen auf ein Niveau zurückkehrten, das zuletzt auf dem Höhepunkt der Pandemie zu beobachten war, als die Preise fielen. Im Oktober erreichte die Rendite auf dem US-amerikanischen Markt für Hochzinsanleihen 9,5 %, während die Rendite europäischer Hochzinsanleihen über 8,0 % lag.

In den letzten Wochen hat der Anstieg der Verbraucher- und Fabrikpreise nachgelassen, was die Hoffnung weckt, dass der Höhepunkt der Inflation überschritten sein könnte. Die US-Notenbank signalisierte, dass sie das Tempo ihrer Zinserhöhungen nun wahrscheinlich verringern wird, obwohl der Fed-Vorsitzende Jerome Powell erklärte, dass die Zinsen wohl ‚länger höher bleiben müssen’, um die Inflation wieder auf das Ziel von 2 % zu bringen. Auch wenn die Zinssätze noch nicht gesunken sind, dürften die Anleger über die aktuellen Nachrichten hinausblicken und beginnen, künftige Entwicklungen weit im Voraus zu antizipieren. Sobald sie dies tun, könnte sich das Blatt für Anleihen deutlich wenden.

Architas view

Unser Standpunkt

Nach Jahren extrem niedriger oder negativer Renditen preisen die Anleihen nun einen deutlichen Anstieg der Zinssätze ein. Dadurch sind die Renditen wieder auf ein interessantes Niveau gestiegen, was bedeutet, dass Anleihen für Anleger, die auf der Suche nach Erträgen sind, erneut interessant sein können. Zur Streuung des Kreditrisikos ist Diversifizierung allerdings weiterhin wichtig. Als Teil eines Multi-Asset-Portfolios sind Anleihen auch gut geeignet, um sich gegen einen starken Ausverkauf bei Aktien abzusichern. Eine steile Rezession könnte die Aktienkurse belasten, würde aber auch dazu beitragen, die Inflation einzudämmen, wodurch die Anleiherenditen unter Druck geraten und die Anleihekurse steigen dürften.

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